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Kartoffel
| Vorstand LsV Brandenburg e.V.

Positionspapier zur aktuellen Lage der Landwirtschaft und zu den zentralen agrarpolitischen Handlungsfeldern

Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation. Steigende Produktionskosten, zunehmende Bürokratie sowie ein intensiver internationaler Wettbewerb setzen landwirtschaftliche Betriebe zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wächst der politische Anspruch an Umwelt-, Klima- und Tierschutzleistungen.

Damit landwirtschaftliche Betriebe diese Anforderungen erfüllen können, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, faire Marktbedingungen sowie eine deutliche Entlastung von Bürokratie und praxisfernen Regelungen.

Der LSV Deutschland e.V. und die angeschlossenen Landesverbände formulieren daher folgende zentrale Forderungen für eine zukunftsfähige Agrarpolitik.

 

1. Aktuelle Notlage der Landwirtschaft

Die wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe ist derzeit äußerst angespannt. Preisvolatilität, steigende Betriebsmittelpreise und zunehmende regulatorische Anforderungen führen in vielen Betrieben zu erheblichen wirtschaftlichen Risiken.

Der LSV Deutschland fordert daher die Aktivierung des europäischen Krisenfonds, um landwirtschaftliche Betriebe kurzfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig muss die Möglichkeit geschaffen werden, einen EU-weiten freiwilligen Lieferverzicht zu ermöglichen, wenn es zu Marktkrisen oder massiven Überangeboten kommt.

Ein solches Instrument kann dazu beitragen, Marktungleichgewichte kurzfristig zu korrigieren und einen ruinösen Preisverfall zu verhindern.

 

2. Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028

Die zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik muss stärker auf wirtschaftliche Stabilität, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet werden.

Der LSV Deutschland fordert im Rahmen der GAP ab 2028 eine Modernisierung der Liefer- und Vertragsbeziehungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Landwirte müssen in Vertragsbeziehungen mit Verarbeitern und Handel stärker abgesichert werden.

Faire Vertragsbedingungen, transparente Preisbildungsmechanismen sowie eine stärkere Position der landwirtschaftlichen Erzeuger sind notwendig, um eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive für landwirtschaftliche Betriebe zu gewährleisten.

 

3. Ernährungssicherheit

Die Sicherung der Ernährung der Bevölkerung muss wieder stärker als zentrale Aufgabe der Agrarpolitik verstanden werden.

Der LSV Deutschland fordert daher eine konsequente Ausrichtung der Politik auf Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Lebensmittelproduktion.

Dazu gehören insbesondere:

·         eine klare Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel (HKZ)

·         die Einhaltung gleicher Standards für importierte Lebensmittel wie für die heimische Produktion

·         eine stärkere Berücksichtigung der heimischen Landwirtschaft im Handel und in öffentlichen Beschaffungen

Lebensmittel, die unter deutlich niedrigeren Umwelt-, Tierwohl- oder Sozialstandards produziert werden, dürfen nicht zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten der heimischen Landwirtschaft führen.

4. Bürokratieabbau

Die landwirtschaftliche Praxis wird zunehmend durch umfangreiche Dokumentationspflichten, Kontrollmechanismen und Verwaltungsvorgaben belastet.

Der LSV Deutschland fordert daher einen konsequenten Bürokratieabbau im Agrarbereich.

Neue digitale Systeme allein lösen das Problem nicht. Häufig führen sie lediglich dazu, dass bestehende Bürokratie digital abgebildet wird, ohne sie tatsächlich zu reduzieren.

Erforderlich ist daher eine grundlegende Überprüfung bestehender Regelungen. Praxisferne und überflüssige Verordnungen müssen abgeschafft oder deutlich vereinfacht werden.

Die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: die Produktion von Lebensmitteln.

5. Düngerecht

Das aktuelle Düngerecht führt in vielen Regionen zu erheblichen Einschränkungen für landwirtschaftliche Betriebe.

Der LSV Deutschland fordert eine bedarfsgerechte Düngung auf Grundlage der guten fachlichen Praxis. Die Versorgung der Pflanzen muss sich am tatsächlichen Nährstoffbedarf orientieren.

Gleichzeitig muss das Verursacherprinzip konsequent umgesetzt werden. Pauschale Einschränkungen für ganze Regionen sind nicht sachgerecht, wenn einzelne Betriebe nachweislich ordnungsgemäß wirtschaften.

Die politischen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sowohl Gewässerschutz als auch eine leistungsfähige landwirtschaftliche Produktion möglich bleiben.

6. Nutztierhaltung

Die Nutztierhaltung ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Landwirtschaft und trägt wesentlich zur regionalen Wertschöpfung sowie zur Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln bei.

Der LSV Deutschland fordert daher schnellere und verlässliche Genehmigungsverfahren für Stallbauten und Stallumbauten. Landwirte müssen die Möglichkeit haben, ihre Betriebe weiterzuentwickeln und an neue Anforderungen anzupassen.

Zugleich lehnt der LSV Deutschland zusätzliche verpflichtende Haltungsstufen-Systeme ab, die zu neuen Bürokratiebelastungen führen und den Markt weiter verkomplizieren.

Die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung muss praxisnah erfolgen und darf nicht zu zusätzlichen wirtschaftlichen Risiken für landwirtschaftliche Betriebe führen.

Schlussbemerkung

Die Landwirtschaft ist ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur Deutschlands. Sie sichert die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln, pflegt die Kulturlandschaft und schafft Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

 

Der LSV Deutschland e.V. fordert daher eine Agrarpolitik, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe stärkt, Bürokratie reduziert und die heimische Lebensmittelproduktion langfristig sichert.

                                                                                                

 

                                      Gemeinsam sind wir stark! 

Autor: Vorstand LsV Brandenburg e.V.